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Faire Smartphones – Trend mit Zukunftspotenzial? [Infografik]

Automatisch gespeicherter Entwurf 14 24 Okt

Seit einigen Jahren wird das Thema Nachhaltigkeit besonders gerne und ausführlich in den Medien behandelt. Sei es in Bezug auf einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen (CO2-Footprint, Rohstoffe, Kraftstoffe, erneuerbare Energien etc.), eine nachhaltige Lebensweise (Müllvermeidung, Wegwerfgesellschaft, Ernährung, Massentierhaltung, etc.) oder einen nachhaltigen Konsum (Regionalität, Saisonalität, Fairtrade, Biologischer Anbau, etc.). Kaum ein Thema lässt sich auf so viele Lebensbereiche anwenden und wird medial so dermaßen ausgeschlachtet.

Tipp: Schau dir auch unsere Infografik zu diesem Thema an, um einen schnellen Überblick über die Thematik zu bekommen.

Klar, muss jeder letztendlich für sich selbst entscheiden, wo er in seinem persönlichen Umfeld ansetzen kann, um einen Beitrag zu dem Thema zu leisten. Ich will aber heute auf ein besonderes „Nischenthema“ im Bereich Nachhaltigkeit näher eingehen: Nachhaltigkeit und Fairness bei Smartphones. Paradoxerweise passen diese Themen auf den ersten Blick so gar nicht zusammen – ja sie scheinen sich sogar zu widersprechen. Wer achtet schon bei einem Produkt, wie einem Smartphone darauf, unter welchen Bedingungen es produziert wurde, welche Materialien verarbeitet wurden und wie langlebig es ist?

Die meisten Smartphone-Nutzer setzen ihre Prioritäten eher bei der technischen Ausstattung, beim Design, bei der Marke oder bei der Leistungsfähigkeit. Schließlich werden neue Modelle in dermaßen kurzen Abständen auf den Markt gebracht, dass man sich sowieso spätestens alle zwei Jahre ein neues Smartphone kaufen muss, um einigermaßen „up to date“ zu sein. Aber muss das wirklich sein? Ist es nicht auch denkbar bei einem Smartphone gezielt auf Reparaturfähigkeit und Fairness bei der Produktion zu setzen? Wo landet man, wenn man genau diese Ansprüche stellt?

Die Antwort ist aktuell ziemlich leicht, denn es gibt bisher nur zwei Unternehmen in Europa, die sich einer fairen Smartphone-Produktion verschrieben haben: Fairphone und Shiftphone. Für mich stellen sich hierbei v.a. zwei zentrale Fragen:

  • Was macht ein faires Smartphone aus? Gibt es so etwas überhaupt?
  • Was unterscheidet Fairphone und Shiftphone von anderen, „konventionellen“ Smartphone-Herstellern und wie unterscheiden sich die Unternehmen untereinander?

Fairphone – Werte, Vision und die Entwicklung des Unternehmens

Faire Smartphones – Trend mit Zukunftspotenzial? [Infografik]

Das niederländische Unternehmen Fairphone gilt als Pionier auf dem Gebiet der Produktion nachhaltiger Smartphones.

Das 2013 gegründete Unternehmen „Fairphone“ steckte sich von Anfang an hohe Ziele. Mit der Produktion eines ethisch korrekten Smartphones setzte das Start-up ein klares Statement gegen die in der Elektroindustrie etablierten Standards dieser Branche. Zunächst über Crowdfunding finanziert, übertraf das erste Fairphone schnell alle Erwartungen. Das Unternehmen fokussiert sich vorrangig auf vier Grundpfeiler:

  • Langlebigkeit
  • Faire Materialien / Rohstoffe
  • Faire Arbeitsbedingungen
  • Wiederverwendbarkeit / Recycling

Ein langlebiges Smartphone verbindet Fairphone insbesondere mit einer besonders einfachen Reparaturfähigkeit seiner Geräte. Durch einfache Verschraubungen und den Verzicht auf unnötige Verklebungen soll sichergestellt werden, dass der Kunde sein Smartphone im Zweifelsfall auch schnell selbst reparieren kann. Alle hierfür benötigten Ersatzteile können direkt über Fairphone bestellt werden.

Im Bereich „faire Rohstoffe“ gestaltet sich die Umsetzung der Unternehmensansprüche sicherlich schon etwas schwieriger. In jedem Smartphone sind sog. Konfliktmineralien verarbeitet, deren Abbau äußerst kritisch zu beurteilen ist. Umweltverschmutzungbedenkliche Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen (z.B. Kinderarbeit) sind hier an der Tagesordnung. Hinzu kommt, dass der Abbau der Konfliktmineralien in vielen der betreffenden afrikanischen Länder zur Finanzierung der lokalen Warlords dient.

Mit dem Fairphone 2 ist es Fairphone als erstes Unternehmen weltweit gelungen alle verarbeiteten Konfliktmineralien (Gold, Zinn, Tantal & Wolfram) aus konfliktfreien Förderstätten zu beziehen. Wenn man bedenkt, wie viele Aspekte ein solches Engagement umfasst, kann man hier durchaus von einem Meilenstein sprechen.

Der Aspekt der „fairen Arbeitsbedingungen“ spielt aber nicht nur beim Abbau der Mineralien eine entscheidende Rolle, sondern auch bei der Montage der Smartphone-Komponenten. Die miserablen Arbeitsbedingungen in China werden in den Medien regelmäßig thematisiert. Doch als Konsument hatte man lange keine Alternativen, um diese Arbeitsbedingungen nicht zu unterstützen (bis auf einen kompletten Smartphone-Verzicht). Fairphone zeigt, dass es auch anders geht, obwohl das Unternehmen ebenfalls in China produzieren lässt.

Durch langfristige Beziehungen versucht Fairphone nachhaltige Strukturen für die Arbeiter vor Ort zu schaffen und setzt für seine Partner klare Richtlinien in den Bereichen ArbeitszeitBezahlungSicherheit und Partizipation der Arbeiter. In Anbetracht des riesigen Wettbewerbs auf dem Smartphone-Markt dürften solche Bestrebungen nur langsam vorangehen. Doch mittlerweile zeigen auch große Hersteller, wie Apple oder Samsung durchaus Engagement in diesem Bereich, sodass zumindest der Weg in die richtige Richtung geebnet zu sein scheint.

Der vierte Grundpfeiler der Unternehmensphilosophie von Fairphone zielt auf die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft ab. Hierzu setzt Fairphone nicht nur auf die einfache Reparaturfähigkeit seiner Smartphones, sondern unterstützt mit einem Rücknahmeprogramm auch ein effektives Recycling. Darüber hinaus engagiert sich Fairphone in Ländern, die große Probleme mit Elektroschrott haben.

Faire Smartphones – Trend mit Zukunftspotenzial? [Infografik] 1

Shiftphone – ein Familienunternehmen startet durch

Auch das kleine deutsche Familienunternehmen „Shiftphone“ zeigt großes Engagement im Bereich „Fairness“. Hier stehen u.a. die Arbeitsbedingungen bei der Endfertigung in China im Fokus. Auch Shiftphone hat sich bewusst gegen die Zusammenarbeit mit großen Konzernen, wie Foxconn, entschieden und pflegt langfristige Beziehungen zu kleinen, überschaubaren Unternehmen. Regelmäßig machen sich die Shiftphone-Gründer selbst ein Bild vor Ort und können so gezielt entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen einleiten (Löhne, Arbeitszeiten, Versicherung, Sicherheit, Verpflegung, Unterbringung, etc.). Mittlerweile plant Shiftphone sogar eine eigene kleine Fertigungsstätte in China zu errichten, die beispielhaft das Thema „Fairness“ umsetzen und eine Vorbildfunktion einnehmen soll.

Aber auch im Bereich „Konfliktmineralien“ engagiert sich Shiftphone und kann bereits wichtige Erfolge verzeichnen. So ist es bspw. gelungen bei der Herstellung der Shiftphone-Geräte komplett auf Tantal zu verzichten und dafür ein keramisches Ersatzprodukt einzusetzen. Weitere Bestrebungen beziehen sich auf das verwendete Löt-Zinn. Dieses soll im Zuge der Errichtung der eigenen Fertigungsstätte nach und nach durch einen nachhaltigen „FairLöt-Draht“ ersetzt werden.

Ähnlich wie Fairphone legt auch Shiftphone großen Wert auf eine möglichst lückenlose Kreislaufwirtschaft. Diese beginnt mit der leichten Reparaturfähigkeit der Geräte, die auch wahlweise an die unternehmenseigene Werkstatt abgegeben werden kann. Shiftphone-Geräte können darüber hinaus jederzeit zurückgegeben oder ausgetauscht werden. Diese werden dann im Unternehmen aufgearbeitet und „gebraucht“ weiter verkauft. Andernfalls werden die einzelnen Komponenten zur Wiederverwertung genutzt und nachhaltig recycelt. Um dies sicherzustellen hat Shiftphone sogar einen Gerätepfand eingeführt.


Fairphone und Shiftphone setzen wichtige Signale

Die Unterschiede der beiden Unternehmen zu anderen „großen“ Smartphone-Herstellern dürften bereits deutlich geworden sein. Das Bestreben ein Produkt zu schaffen, das entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette kein Leid verursacht und einen möglichst nachhaltigen und respektvollen Umgang auf allen Ebenen befördert, ist bei beiden Unternehmen als klares Statement gegen die Gewinnmaximierungsbestrebungen der „Big Player“ auf dem Markt zu verstehen.

Damit ist es den beiden Unternehmen gelungen alternative Möglichkeiten auf einem Massenmarktaufzuzeigen, dessen Produktionsbedingungen und das damit einhergehende Konsumentenverhalten in der Vergangenheit viel zu selten hinterfragt wurden. Die Komplexität der Thematik macht aber auch deutlich, dass die Möglichkeiten auf dem Weg hin zu einem „fairen Smartphone“ noch längst nicht ausgeschöpft sind. Man darf also gespannt sein, wie sich Fairphone und Shiftphone zukünftig entwickeln werden.

 

Faire Smartphones – Trend mit Zukunftspotenzial? [Infografik] 2
Das Thema Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette bildet die Grundlage für die Arbeit von Fairphone und Shiftphone.

Zukunftspotenzial „fairer“ Smartphones

Wenn man sich erstmals mit dem Thema „faire Smartphones“ beschäftigt, könnte man durchaus in Versuchung geraten es als weiteren „Trend“ abzutun, der im Zuge der Nachhaltigkeitsdebatte aufgekommen ist. Aber wenn man bedenkt, welch ein Massenmarkt dahinter steckt, wird schnell klar, wie groß das Potenzial ist. Ein weites Umdenken innerhalb dieses Marktes ist zwar von heute auf morgen keineswegs zu erwarten, aber Unternehmen wie Fairphone und Shiftphone zeigen zumindest Alternativen auf und regen zum Nachdenken an. Wenn damit auch nur kleinste Denkanstöße ausgelöst werden, hat das bereits positive Auswirkungen auf die bedenklichen Entwicklungen innerhalb des Smartphone-Marktes.

Gerade die unzähligen Herausforderungen, die mit der Produktion eines „fairen“ Smartphones einhergehen, machen deutlich wie viele Probleme es zu lösen gilt. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass neue Perspektiven durchaus dazu geeignet sind, um Alltägliches kritisch zu hinterfragen. Dementsprechend würde ich das zunehmende Interesse an dieser Thematik auch nicht unbedingt als neuen Konsumententrend bezeichnen, sondern vielmehr als eine Art veränderte Lebenseinstellung, die sich u.a. auch in diesem Lebensbereich niederschlägt.

Das Zukunftspotenzial dürfte also noch längst nicht erschöpft sein – zumal es derzeit nicht möglich ist ein gänzlich „faires“ Smartphone herzustellen. Wollte man alle relevanten Aspekte einer solchen Produktion umsetzen, bliebe vermutlich nur eine Lösung: der Verzicht auf ein Smartphone. Da dieser radikale Schritt aber heutzutage für immer weniger Menschen in Frage kommt, bleibt nur ein abschließender Gedanke. Auch wenn sich das Konzept von Fairphone und Shiftphone noch so „verlockend“ anhört, macht es wenig Sinn, sein aktuelles funktionierendes Smartphone gegen ein sog. „faires“ Smartphone einzutauschen. Damit würde man genau das Gegenteil bewirken und mehr Schaden anrichten, als nachhaltig zu handeln.

 

Wir haben alle wichtigen Aspekte dieses Artikels für euch in einer Infografik zusammengefasst.

 

Wie stehst du zur dieser Problematik? Kommt ein „faires“ Smartphone für dich vielleicht sogar zukünftig in Frage?

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